Rennrad in Bewegung
Vielfalt statt Einheitsbrei: Das Rennrad
(openPR) - Vielfalt statt Einheitsbrei: Das Rennrad diversifiziert sich
und wird dadurch noch attraktiver. Vormalige Nischen-Nutzungen mausern
sich zu Trend-Rennern.
Längst haben die schlanken Straßenflitzer zum Mountainbike
aufgeschlossen, zumindest da, wo es um genuin sportliche Nutzung geht. Ob
lockere Trimmrunde im Wald, schwerer Radmarathon oder Jedermann-Rennen:
Wie viel Fahrspaß man mit schmalen Reifen und ohne Federung haben kann,
entdecken immer mehr Radfahrer für sich. Rennradsport ist Trendsport –
auch und gerade außerhalb der Profi-Szene und der verschworenen
Amateurrennsport-Gemeinde. Das war anders, als der Renner noch Geheimtipp
war. Wie ein Rennrad auszusehen hatte, bestimmten damals knorrige
Ex-Rennfahrer in ihren kleinen Radsportläden. Den Lenker tief stellen,
Schlauchreifen aufkleben lernen und keine Widerrede! Doch diese Zeiten
sind zum Glück vorbei; inzwischen orientiert sich der Markt an dem, was
die Kunden wollen – und das kann höchst unterschiedlich aussehen.
Komfort im Kommen
Stichwort Komfort: ein sportliches, leichtes Rennrad, bitteschön – aber
etwas aufrechter sitzen würde man schon gerne. Was vor zehn Jahren noch
als unauflöslicher Widerspruch galt, ist heute ganz normal. Innovative
Rennradhersteller wie Felt beweisen, dass Highend und Komfort
zusammenpassen. Das Felt Z 15 (Preis: *) etwa gleicht in Sachen
Ausstattung (Shimanos Top-Gruppe Dura-Ace) und Rahmen (aus
Hochmodul-Carbonfasern mit Vollcarbon-Gabel, bei der sogar die
Ausfallenden aus Kohlefaser bestehen) dem Rennrad der
Wiesenhof-Felt-Profimannschaft, doch mit der „Relaxed Racing
Specific“-Geometrie fällt der Höhenunterschied zwischen Sattel und
Lenker sowie deren Abstand zueinander deutlich geringer aus. Zusätzlich
spendiert der Hersteller seinem „entschärften“ Renner einen
verstellbaren Vorbau – optimal für Fahrer, die je nach
Tourencharakteristik mal sportlicher, mal entspannter Rennrad fahren
wollen. Und auch im Detail folgt Felt der Maßgabe, schmerzfreies Radeln
zu ermöglichen: Unterm Lenkerband stecken stoßdämpfende Gelpolster;
statt eines brettharten Vollcarbon-Rennsattels kommt ein anatomisch
geformtes, elastisches Modell zum Einsatz.
Nicht ohne Stolz verweist Hersteller Felt darauf, dass die Hälfte der
Profifahrer des Pro Continental Teams „Slipstream“ auf einem Z1 Rahmen
fahren...
Für lockere Ausfahrten ist das Felt Z 15 allerdings nicht das richtige
Rad – superleicht und verwindungssteif, spricht es Fahrer an, die mit
sportlichen Ambitionen aufs Rennrad steigen, ermüdungsfrei schwere
Marathonstrecken absolvieren wollen. Der Trimmradler dagegen benötigt
weder einen Highend-Carbonrahmen noch Schaltkomponenten, die für den
harten Profi-Einsatz konzipiert sind. Auch das ist eine Facette der neuen
Rennrad-Vielfalt: Immer mehr Radsportler orientieren sich in ihrer
Materialwahl an den eigenen Anforderungen, nicht daran, was die Profis
fahren. Sie wollen Rennrad fahren, nicht renommieren.
Dieser Philosophie folgen Modelle wie das Felt Z 70 (Preis: *): Rahmen aus
Aluminium statt aus Carbon, Komponenten der Shimano-105-Mittelklassegruppe
statt Profi-Material. Etwas Pflege vorausgesetzt, ist so ein Rad für
jahrelanges Fahrvergnügen gut, zumal die meisten Trimmradler wenig von
materialverschleißenden Schlechtwetter- und Winterfahrten halten. Der
deutlich günstigere Preis wird einzig mit dem um rund zwei Kilo höheren
Gewicht erkauft – aber wo nicht um Sekunden gekämpft wird, ist das gut
zu verschmerzen. Alles, worauf es wirklich ankommt, findet man auch am Z
70: Mit dem Z 15 hat es alle Komfort-Merkmale gemein; als Schmankerl für
den weniger gut trainierten Sportler verfügt das günstigere Modell zusätzlich
über eine Dreifach-Kurbel – das bedeutet kleine Berggänge und weniger
Stress an Steigungen.
Frauen-Renner: innovativ und vielfältig
Dreifach-Kurbel, Komfort-Geometrie: Rennradfahrerinnen können über das,
was die Männer erst nach und nach für sich entdecken, nur müde lächeln.
Denn Frauen waren noch nie daran interessiert, im Namen einer falsch
verstandenen Sportlichkeit unbequem auf dem Rennrad zu sitzen; folglich
sind speziell auf ihre Anforderungen zugeschnittene Modelle – kürzere
Rahmen, schmalere Lenker, anatomisch optimale Sättel und Bremsgriffe, die
sich auch mit zierlichen Händen gut bedienen lassen – schon seit Jahren
erhältlich. Doch mehr als zwei „Damenräder“ hatte kaum ein
Hersteller im Programm – in der Regel rosa und schwer und mit eher
einfachen Komponenten ausgestattet. Auch hier zeichnet sich eine
Trendwende ab. Felt etwa hat ganze 16 Frauen-Rennräder im Programm, vom
Highend-Racer mit superleichtem Rahmen und Dura-Ace-Teilen (FW 15, Preis:
*) bis zum einfachen Alu-Modell (FW 40, Preis: *). Einen großen Teil
nehmen dabei Modelle mit den kleinen 650-C-Laufrädern ein, die kleinere
Rahmenhöhen ermöglichen – vielen Rennrad-interessierten Frauen wurde
es nur so überhaupt möglich, den Sport auf einem passenden Rad auszuüben.
Die Botschaft ist eindeutig: Rennradfahrerinnen werden nicht länger
automatisch in die Kategorie „Trimm-Radeln“ einsortiert. Na endlich.
Windschnittig gegen die Zeit
Der oder die eine will Komfort, andere dagegen sind nur auf Highspeed aus:
Innerhalb des Straßenradsports zählten die Triathleten lange zu den
Exoten. Sie waren innovativ in Sachen Radtechnik und stammten überdurchschnittlich
häufig aus dem Akademiker-Millieu – beides gute Gründe für
eingefleischte Rennradfahrer, auf der Straße entgegenkommende Triathleten
nicht zu grüßen.
Dieses Revierverhalten ist heute nicht mehr angesagt. Aerodynamik ist in
aller Munde; kaum jemand will noch einen „klassischen“ Laufradsatz mit
32 runden Speichen. Und seit es immer mehr Einzelzeitfahren für
Hobby-Wettkampfsportler gibt, werden Triathlonräder auch für die breite
Radsport-Masse interessant. Typisch für diese Rennrad-Gattung ist neben
den Aero-Laufrädern ein „Liegelenker“ mit Armauflagen und nach vorne
gerichteten Griffstücken, an deren Enden sich die Schalthebel befinden.
Bei Felt werden alle Zeitfahrmaschinen mit „richtigen“
Triathlonlenkern ausgestattet – leichte, edle Carbon-Modelle bei den
Toprädern, Alu-Varianten bei den günstigeren. Wobei das
Triathlon-Programm bei Felt in der Mittelklasse startet, werden die
Spezialmaschinen doch nur selten von absoluten Einsteigern gekauft.
Ein typisches Dreikampf-Rennrad ist das S 32 (Preis: *) von Felt, dessen
Rahmen aus Aluminium (beim Triathlon geht Steifigkeit = gute Kraftübertragung
vor Gewicht) mit Carbon-Hinterbau besteht. Auffälligstes Merkmal am
Rahmen ist das flächige Sitzrohr, das an der Hinterseite ausgekehlt ist,
so dass nur ein minimaler Spalt zum Reifen besteht. Ebenfalls wie
Schwertklingen ausgeführt sind Gabelscheiden und Sattelstütze. Auch die
hohen Felgen erleichtern das Fortkommen, denn bekanntlich steigt der
Luftwiderstand exponentiell zur Geschwindigkeit – je schneller man
fahren will, desto tiefer muss man also in die Aero-Trickkiste greifen.
Radsport „ohne alles“
Radsport ohne alles? Auf Schaltung, Freilauf und Bremsen verzichten kann
man eigentlich nur auf der Radrennbahn. Die Pisten-Disziplinen verlangen
hervorragende Radbeherrschung und gut ausgebildete koordinative Fähigkeiten
– auf einem Rad zu fahren, bei dem man nicht „rollen lassen“ kann,
will gelernt sein. Weil sich die Rennbahn-Erfahrung auch auf der Straße
auszahlt, lohnt es sich, einmal einen Bahn-Schnupperkurs zu buchen, wie
ihn mache Radsportvereine anbieten. Dort wird dann auf vereinseigenen
Leihrädern trainiert, Fortgeschrittene dagegen verfügen über ihr
eigenes Material.
Was fährt der Bahnsportler? Etwa ein Felt TK 2 (Preis: *). Man sieht es
auf den ersten Blick: Bremsen, schalten, zur Trinkflasche greifen, auf der
Bahn geht das alles nicht. Nur Treten und Lenken ist gefragt – ersteres
mit hoher Frequenz dank der bahnspezifischen Übersetzung und kurzer
Tretkurbeln und kraftvoll aufgrund des steifen Alu-Rahmens, letzteres
ausgesprochen agil wegen des kurzen Radstandes, des steilen Lenkwinkels
und der minimalen Gabelvorbiegung der Bahn-Maschine. Typisch Bahn sind die
nach hinten offenen Ausfallenden und der Einsatz von Achsmuttern statt der
Schnellspannachsen; schließlich will man ja nicht, dass bei kraftvollem
Antritt auf der glatten Bahn das Hinterrad verrutscht ...
Single Speed: Von der Bahn auf die Straße
Kaum einer käme auf die Idee, mit einem Bahnrad auf der Straße zu
fahren, schlimmer noch, im Stadtverkehr. Und doch gibt es eine Spezies
Radfahrer, bei denen genau das zum Image gehört. Fahrradkuriere fingen
schon von zwei Jahrzehnten damit an, sich die reduzierte, wartungs- und
diebstahlarme Technik der Bahnrenner zunutze zu machen. Ohne Freilauf,
teilweise immerhin mit einer Vorderradbremse versehen, rasten und rasen
sie durch die Straßenschluchten, und ihr Material ist längst „Kult“.
Rückenwind gab es von Seiten der Radrennfahrer, von denen viele im Winter
mit starrem Gang trainieren, also ebenfalls ohne Freilauf. Beides zusammen
ergibt den Rennradtyp des „Fixie“, in der entschärften Version mit
Freilauf „Single Speed“ genannt – ein Rennrad mit Bremsen, aber ohne
Schaltung, das vornehmlich dazu genutzt wird, in der Stadt schnell von A
nach B zu kommen, „Sehen und gesehen werden“-Intervalle
eingeschlossen. Wo man früher ausrangiertes Rennmaterial zum Single
Speeder kombinierte, bieten manche Firmen nun Kompletträder an. So auch
Felt: Das „Dispatch“ (Preis: *) ist mit Alu-Rahmen und Carbongabel
modern aufgebaut und verfügt im Gegensatz zu vielen Eingang-Rennern über
genug Platz zwischen Rahmen und Reifen, um Schutzbleche unterzubringen;
auch für die Gepäckträgermontage ist vorgesorgt. So wird das coole
Konzept ganz nebenbei alltagstauglich.
Angriff aufs Geländerad
Mit dem Rennrad ins Gelände? Das ging lange vor dem Aufkommen der
Mountainbikes und BMX-Rädchen. Querfeldeinrennen, auch Cyclocross
genannt, sind ein klassischer Rennrad-Wintersport, der abseits des
Rennbetriebes jedoch nie auf Interesse stieß. Inzwischen jedoch sind
Cyclocross-Räder wie das Felt F1X (Preis: *) begehrte Breitensport-Geräte,
denn sie sind ausgesprochen offroad-tauglich, wobei die fehlende Federung
auch noch die Radbeherrschung schult, und mit der entsprechenden Bereifung
wie ein Rennrad auf der Straße nutzbar. Immer mehr ambitionierte
Rennradsportler ziehen das Crossrad dem MTB vor, um Ausflüge ins Gelände
zu machen, denn allein der Gewichtsvorteil verschafft dem Crosser im Gelände
viele Vorteile, was Agilität und Beschleunigung angeht.
Die Unterschiede zum Rennrad sind schnell aufgezählt: Um dickere Reifen
montieren zu können, ist der Durchlauf an Rahmen und Gabel größer, zum
Bremsen werden Cantilever oder kurze V-Brakes eingesetzt. Außerdem geht
beim Crossrad Stabilität klar vor Gewicht. Und auch die Übersetzung ist
angepasst!
Auch noch da: das „echte“ Rennrad
Komfort-Renner, Zeitfahrmaschine, Single Speeder – bei so vielen Wahlmöglichkeiten
fragt man sich glatt, ob es überhaupt noch ganz normale Rennräder gibt.
Aber klar – bei Felt etwa das Topmodell F 1 (Preis: *), Arbeitsgerät
der Wiesenhof-Felt-Profis. Knapp sieben Kilo wiegt so eine Maschine;
weniger als 1000 Gramm der Rahmen, und auch sonst werden keine Kosten
gescheut, um das Rad bei gleichbleibender Stabilität abzuspecken. Denn
Gewicht kostet Vortrieb, und der ist den Profis wie den ambitionierten
Radsportlern am wichtigsten. Beim F 1 kommen an Rahmen und Gabel natürlich
nur die besten Hochmodul-Carbonfasern zum Einsatz, die auf den reinen, die
Zugkräfte übertragenden Faserkern reduziert und damit noch einmal
deutlich leichter sind. Auch Lenker, Sattelstütze und Sattelgestell
bestehen aus dem Fasermaterial, wobei man sich um die Haltbarkeit keine
Sorgen machen muss. Superleicht sind die neuen Mavic-R-SYS-Laufräder mit
Carbonspeichen; die Komponenten stammen aus Shimanos Topgruppe Dura-Ace.
Keine Kompromisse machen die Profis bei der Sitzposition: Tiefer Lenker,
langer Vorbau – so eine extreme Sitzposition liegt nicht jedem. Doch wie
man gesehen hat, lässt es sich auch anders Rennrad fahren.
* = Preise lagen bei Drucklegung noch nicht fest,
Quelle:
openPR