Reifen-Technologie
Worauf beim Fahrradreifen zu achten ist
(openPR) - Mehr Tempo, mehr Sicherheit und mehr Komfort durch die
richtigen Reifen – worauf beim Fahrradreifen zu achten ist
[pd-f] Eigentlich denkt man nur über sie nach, wenn man einen Platten hat
– dabei hätte die Bereifung am Fahrrad eigentlich mehr Aufmerksamkeit
verdient. Um herauszufinden warum, lohnt sich ein Blick auf seine
Konstruktion.
„Letztlich sind es die schwarzen Gummis, welche durch ihre Verzahnung
mit dem Untergrund die Beinkraft des Fahrers auf die Straße übertragen
und eine Fortbewegung überhaupt erst ermöglichen“, erklärte der
Fachjournalist Peter Barzel auf dem Recherche-Kongress Fahrrad des
pressedienst-fahrrad. Im Grunde könnte man seinen Pneus schon dankbar
sein, wenn sie diese Aufgabe nur unauffällig und sicher erfüllen. Doch
der Radfahrer will mehr; er stellt unvereinbare Ansprüche an seine
Reifen:
Haltbarkeit versus Haftung; Leichtlauf versus Pannenschutz Lange halten
soll der Reifen, dabei wie ein Saugnapf auf der Straße kleben. Und völlig
unempfindlich gegen äußere Beschädigungen sein, bitteschön, dabei aber
geschmeidig und ohne jeden Widerstand abrollen. „Im Grunde stellt jeder
Reifen, jede Gummimischung nur eine Annäherung an einen Idealzustand an,
der jedoch nicht zu erreichen ist“, sinnierte Carsten Zahn vom
Reifenhersteller Schwalbe (www.schwalbe.de).
Denn ein unbegrenzt haltbarer Reifen müsste aus einem sehr harten
Material sein, das keinerlei Abrieb kennt – gute Haftung erfordert
dagegen einen weichen Gummi, der sich an die Strukturen des Untergrundes
anpasst und für eine möglichst große Kontaktfläche sorgt.
Vollständig pannensichere Reifen müssten über dicke Gewebelagen unter
der Lauffläche verfügen, dazu spezielle Pannenschutzstreifen, die spitze
Eindringlinge abprallen lassen. Doch je mehr Material angehäuft wird,
desto schlechter und weniger geschmeidig rollt ein Reifen ab. Und schwerer
wird der Pneu dadurch natürlich auch noch – und das ist besonders jener
Art von Radfahrern ein Dorn im Auge, denen Leichtlauf, Haftung,
Pannenschutz und Lebensdauer besonders wichtig sind: sportliche
Rennradfahrer und Mountainbiker, die pro Jahr tausende von Kilometern
unter extremen Bedingungen zurücklegen.
Reifenexperte Zahn indes ist froh, solch eine kritische Klientel zu haben.
„Radsportler sind zwar anspruchsvoll, doch sie sind auch bereit dazu, in
einen guten Reifen gutes Geld zu investieren. Das regt die Industrie dazu
an, in neue Technologien zu investieren, die wiederum allen anderen
Fahrradnutzern zugute kommen.“
Als Beispiel nennt Zahn den Rennradreifen Ultremo und den
City/Trekking-Pneu Marathon Supreme: „Die für Rennräder entwickelte
Gummimischung macht natürlich auch das Alltagsrad schnell. Und der
Vectran-Pannenschutz, der den Ultremo extrem pannenresistent macht, dabei
aber weder Gewicht noch Leichtlauf einschränkt, ist ebenfalls auf andere
Radtypen übertragbar.“
Welcher Reifen für welches Rad?
Dass es je nach Fahrradgattung
unterschiedliche Reifentypen geben muss, ist logisch. Am Rennrad finden
schmale Pneus Verwendung, die einen hohen Reifendruck erlauben, sich beim
Abrollen weniger stark verformen und dadurch leichter laufen. Bei
schneller Kurvenfahrt haben breite Reifen die Tendenz, sich relativ zur
Felge zu bewegen. Solch ein seitliches „Abkippen“ tritt beim 23 mm
schmalen Rennrad-Pneu nicht auf. Profilrillen sind bei diesen Reifen nur
schmückendes Beiwerk. „In Sachen Haftung kommt dem Profil beim Rennrad
keine Bedeutung bei – höchstens eine psychologische“, erklärt
Fahrrad-Experte Barzel. Das Schwalbe-Topmodell Ultremo, mit 195 Gramm übrigens
extrem leicht, ist folgerichtig als Slickreifen konzipiert.
Im Gelände sieht das natürlich anders aus; hier sind Profilstollen nötig,
die auf rutschigem Untergrund gute Haftung bieten. Deren Design ist eine
Wissenschaft für sich, denn es gilt, Eigenschaften wie guten Grip und
leichten Lauf unter einen Hut zu bringen. Überdies müssen die Profile so
konstruiert werden, dass sie sich im Gelände nicht mit Schlamm zusetzen
– „Selbstreinigung“ nennen das die Experten.
Je nach Gelände und Fahrradtyp verwenden Mountainbiker mehr oder weniger
voluminöse Reifen. „Wer ein voll gefedertes MTB nutzt, kann auch
schmalere und damit leichtere Reifen setzen und diese mit höherem Druck
fahren“, weiß Christian Malik vom MTB-Hersteller HaiBike (www.haibike.de),
denn das „Fahrwerk“ sorgt für den optimalen Bodenkontakt. Bei „Hardtails“
oder Starrbikes ohne jegliche Federungselemente müssen die Reifen
gleichzeitig für Komfort und Bodenhaftung sorgen, hier sind dickere
Reifen mit weniger Luftdruck angesagt, so Malik gegenüber dem
pressedienst-fahrrad. Um die richtige Reifenauswahl beim Mountainbike auch
für Laien zu ermöglichen, hat Hersteller Schwalbe eigens eine Matrix
entwickelt. Unterschiedliche Reifen, Witterungsbedingungen und Untergründe
sind in ihr zusammengefasst und weisen die jeweils optimale Reifenauswahl
aus.
Das „3-Tires-Race-System“ genannte System besteht aus den Reifen „Nobby
Nic“, „Furious Fred“ und „Racing Ralph“. Material und Aufbau
dieser Reifen sind identisch: Sie verfügen über einen High-Tech Aufbau
mit Evo-Karkasse, „Triple Compound“Gummimischung und nach vorne
offenen U-Block Schulterstollen. Die Reifen unterscheiden sich jedoch
gravierend im Profil und im jeweiligen Einsatzbereich.
Breiter rollt leichter Breitere Reifen rollen prinzipiell leichter, da sie
eine zur Seite hin breite, in Laufrichtung jedoch schmale Auflagefläche
besitzen. Deshalb verformt sich so ein Reifen beim Abrollen weniger stark
als ein schmaler Pneu, der einen langen, schmalen Abdruck hinterlässt.
Das gilt jedoch nur für Reifen, die identisch aufgebaut sind und mit dem
gleichen Druck gefahren werden können – zum Beispiel Rennradreifen in
23 beziehungsweise 28 Millimeter Breite, die auf sechs bar aufgepumpt
sind.
Glatt oder mit Profil? Fahrräder, die im Alltag oder auf Touren
eingesetzt werden, müssen einerseits auf Asphalt leicht laufen,
andererseits Reserven bereithalten, wenn es einmal über unbefestigte Wege
geht. Für diesen Zweck gibt es spezielle Profile mit seitlichen Stollen,
die ein Wegrutschen auf schlammigen Pfaden oder Sandwegen verhindern
(z.B. Marathon XR, Marathon Plus ATB, Marathon Cross). Reine Asphaltreifen
sind häufig als „Semislicks“ mit Profilrillen gestaltet, durch die
bei nassen Straßen das Wasser abfließen soll. Übrigens: Aquaplaning ist
beim Fahrrad ausgeschlossen. Alltagsradlern kommt es besonders auf guten
Pannenschutz an, denn ihr Rad muss ständig einsatzbereit sein, auch wenn
letztlich weniger Kilometer gefahren werden als auf dem Rennrad oder MTB.
Eine robuste Konstruktion, die auch Glassplittern widersteht, ist also
erste Wahl. „Der Marathon Plus mit spezieller Pannenschutzeinlage hält
sogar Reißzwecken stand, ist aber natürlich etwas schwerer“, erklärt
Carsten Zahn. Für Reifen, die an Reiserädern eingesetzt werden, gilt das
natürlich besonders – aufgrund der hohen Laufleistung müssen sie
daneben besonders abriebfest sein (z.B. Marathon Plus, Marathon XR).
Immer gleich: der Aufbau All diese Reifentypen gibt es wiederum in
diversen Unterarten, doch eine Sache ist bei allen gleich: der Aufbau, der
mit geringen Unterschieden immer derselbe ist. Ein Fahrradreifen besteht
aus mehreren gummierten Gewebelagen, die in ihrer Gesamtheit die so
genannte Karkasse bilden. An den Seitenrändern werden die Gewebelagen
umgeschlagen und umfassen dabei einen Draht (bei Faltreifen ein flexibler
Strang aus Kunstfasern), der dem Reifen seine runde Form gibt und für den
Halt am Felgenhorn sorgt. Der Querschnitt so eines Pneus lässt sich am
besten mit dem Wort „hufeisenförmig“ beschreiben. Oben auf der
Karkasse sitzt die Lauffläche (auch „Protektor“ genannt), darunter
beziehungsweise zwischen den Gewebelagen befinden sich die
Pannenschutzstreifen. Die ganze Konstruktion wird unter Druck und Hitze
zusammenvulkanisiert und bildet eine untrennbare Einheit. Im Inneren des
Reifens befindet sich der lufthaltige Schlauch, der über ein Ventil befüllt
wird.
Neben diesem Bauprinzip gibt es im Grunde nur eine andere Reifenart: der
Schlauchreifen, bei dem die Karkasse unten zusammengenäht ist und der
dadurch einen runden Querschnitt aufweist (z.B. Ultremo tubular, Stelvio
tubular). Solche Reifen werden auf spezielle Felgen geklebt nur im
Rennsport genutzt, vor allem da, wo es auf besonders hohen Luftdruck
ankommt wie auf der Radrennbahn oder auf besonders niedrigen – bei
Querfeldeinrennen auf ungefederten - Spezialrennrädern. Im Falle eines
Defekts muss der Reifen unten aufgetrennt werden, damit man an den
Schlauch herankommt – oder er wird direkt entsorgt.
Der Betriebsdruck eines Reifens hängt übrigens im Wesentlichen von
seinem Volumen ab. Analog zur Gleichung „Druck = Kraft x Fläche“
halten schmale Reifen mit einer kleineren Innenfläche höherem Druck
stand – bei einem durchschnittlichen Rennreifen sechs bis zehn bar.
Mountainbikes, Trekking- und Cityräder werden mit drei bis vier bar
gefahren, teilweise auch etwas mehr, wenn mehr Wert auf Leichtlauf denn
auf Komfort gelegt wird – hart aufgepumpte Reifen rollen leichter, aber
sie „federn“ weniger. Die Verformbarkeit des Luftreifens ist übrigens
die Grundbedingung für guten Halt auf der Straße. Ein Vollgummireifen
mag absolut pannensicher sein, doch der Radfahrer wird mit ihm haltlos über
die Straße eiern und in der ersten schnelleren Kurve zu Boden gehen.
Also: Seien Sie Ihrem Luftreifen dankbar!
Quelle:
openPR